Foxconn-Türkei: „Sie behandeln uns wie Roboter“

Foxconn hat vier Fabrikkomplexe in Europa, zwei in Tschechien und jeweils einen in der Slowakei, in Russland und in der Türkei. Die türkische Foxconn-Fabrik liegt westlich von Istanbul in der Sonderwirtschaftszone von Çorlu. Dort stellen 350 ArbeiterInnen ausschließlich Desktop-Computer für Hewlett Packard her. Viele von ihnen stammen aus der türkischen Minderheit Bulgariens, und ihre Familien flohen bei den ethnischen Säuberungen Ende der 1980er in die Türkei. Der türkische Staat unterstützt Foxconn bei der Anwerbung und Ausbildung von ArbeiterInnen. Die Arbeit ist einfach und monton. „Sie behandeln uns wie Roboter“, sagt eine Arbeiterin. Die Arbeitszeiten sind flexibel, zwischen 30 und 60 Stunden pro Woche – für einen Monatslohn von 300 bis 350 Euro (in etwa der Mindestlohn in der Türkei). Diese Bedingungen sind ein Grund für die hohe Fluktuation von 20 bis 30 Prozent im Jahr.
Mehr Information im Artikel The fox at Europe’s door: Foxconn in Turkey (Englisch) oder La volpe alle porte dell’Europa. La Foxconn in Turchia (Italienisch).

Schuldknechtschaft bei Apple-Zulieferer Flextronics

Der Elektronikauftragshersteller Flextronics beschäftigt 150.000 ArbeiterInnen in 30 Ländern und beliefert neben Apple auch Firmen wie Ford und Lockheed. Eine Flextronics-Fabrik liegt in Malaysia und beschäftigt u.a. ArbeiterInnen aus Nepal, Vietnam und Indonesien. Ein Arbeiter aus Nepal musste 1.000 US-Dollar an mehrere Arbeitsvermittler zahlen, damit er einen Job in der Flextronics-Fabrik bekommt. Da er nicht so viel Geld hatte, unterschrieb er Schuldscheine. Bei Flextronics in Malaysia wurde er in der Produktion von Kameras für iPhones eingesetzt, arbeitete 12-Stunden täglich und verdiente 178 US-Dollar im Monat. Nachdem die Produktion wegen Qualitätsmängeln eingestellt worden war, durfte er Malaysia wochenlang nicht verlassen, weil er die Schulden nicht begleichen konnte. Erst als er und andere Arbeiter aus Nepal kein Geld mehr hatten und hungerten, wurden sie nach Nepal zurückgebracht. Die Schulden müssen sie weiter abstottern, obwohl sie den Job gar nicht mehr haben. Dafür müssen sie zum Teil gar neue Schulden aufnehmen. Andere Arbeiter aus Nepal hatten sogar Land verkauft, um sich den Job bei Flextronics in Malaysia zu „kaufen“, und haben nun Probleme, über die Runden zu kommen. Apple und Flextronics zeigen sich betroffen vom Schicksal der Arbeiter aus Nepal und faseln von einer Untersuchung der Fälle von Schuldknechtschaft. Die übliche Reaktion dieser Unternehmen. So wird sich nichts ändern.
An iPhone Tester Caught in Apple’s Supply Chain (Englisch)

Foxconn beutet weiterhin PraktikantInnen aus

Bereits im Oktober wurde bekannt, dass Foxconn über 1.000 StudentInnen einer technischen Universität in Xi‘an in einer Fabrik in Yantai als billige Arbeitskräfte ausgebeutet hat. Die StudentInnen wurden zu dem zweimonatigen Arbeitseinsatz gezwungen, indem ihnen gedroht wurde, bei Nichtbeteiligung keinen Abschluss machen zu können. Die StudentInnen wurden für die Produktion von Sony Playstations bei Arbeiten eingesetzt, die nichts mit ihrem Studienfeld zu tun hatten. Diese Praxis des zwangsweisen Produktionseinsatzes von PraktikantInnen bei Foxconn wird auch im Buch „iSlaves“ beschrieben.
Report: Chinese students forced to manufacture PS4 at Foxconn plant (Englisch)
Enttäuschte Hoffnungen: Geschichte einer Praktikantin bei Foxconn (Deutsch)

Ausbeutung auch bei Foxconn in Tschechien

Da Apple gerade ein neues iPhone auf den Markt geschmissen hat, wird auch die bürgerliche Presse mal wieder aufmerksam auf die schlechten Arbeitsbedingungen bei Foxconn. Die c‘t hat unter Bezug auf den gongchao.org-Artikel Integration verschiedener Arbeitsregime? Foxconn in Tschechien einen Beitrag geschrieben und dafür selbst vor Ort recherchiert: Shenzhen an der Elbe – Das System Foxconn funktioniert auch in der EU. Beim Spiegel wird das dann wie gewohnt verwässert und verzerrt: Tschechien: Foxconn soll Arbeiter auch in Europa ausgebeutet haben.

Film: SonderAusbeutungsZonen

Der Film SonderAusbeutungsZonen von SzumTV (2013, 48 Minuten, Polnisch mit deutschen und englischen Untertiteln) ist gerade auf labournet.tv erschienen. Arbeiter_innen erzählen von den miesen Bedingungen in der Fabrik des chinesischen Elektronikzulieferers Chung Hong in einer Sonderwirtschaftszone in der Nähe von Wroclaw. Sie gründen eine Gewerkschaftszelle und organisieren einen Streik, um Verbesserungen durchzusetzen, aber die Firmenleitung versucht, die Organisierung der Arbeiter_innen zu unterlaufen und den Streik zu verhindern. Als Chung Hong einen in der Gewerkschaftszelle aktiven Arbeiter entlässt, legt ein Teil der Arbeiter_innen sofort die Arbeit nieder – und wird ebenfalls entlassen.
Artikel zum Streik auf gongchao
Film SonderAusbeutungsZonen bei labournet.tv

Weitere Streiks im Juni und Juli

Auch im Juni und Juli 2013 ist es in Foxconn-Fabriken in China wieder zu Streiks gekommen. Bei der Foxconn-Tochter Pulihua in Foshan hatten Arbeiter_innen schon Ende März gestreikt. Am 6. Juni legten 1.000 von ihnen erneut die Arbeit nieder. Es ging um Abfindungen bei der geplanten Verlagerung und um Sozialleistungen. Am 24. Juli traten dann wieder 1.500 Arbeiter_innen in den Streik. Diesmal ging es um das Schließungsdatum und die Befürchtung, dass die Abfindungen gar nicht gezahlt werden. Ebenfalls am 24. Juli streikten Foxconn-Arbeiter_innen im Stammwerk in Shenzhen. Ihre Überstunden waren beschränkt worden, was bei dem niedrigen Lohn bedeutet, dass dieser kaum fürs Essen reicht.
Mehr Informationen zu diesen Streiks u.a. bei labornotes (Englisch), BaGongWatch und WantChinaTimes.
Hier findet ihr eine aktualisierte unvollständige Liste von Arbeiterunruhen bei Foxconn 2010-2013

Film: Interview mit Foxconn-Arbeiterin

Auf labournet.tv ist ein Interview mit einer Foxconn-Arbeiterin erschienen: „Das waren meine Jahre bei Foxconn“ (Chinesisch mit deutschen Untertiteln, 6 Minuten, 2013). Die Filmbeschreibung: Liu Xing arbeitete 5 Jahre bei Foxconn in Shenzhen, Südchina, und stellte u.a. Teile für das Apple-iPhone her. Im Interview schildert sie die harten Arbeitsbedingungen und die systematische Vertuschung von Arbeitsunfällen beim derzeit größten Elektronikhersteller der Welt. Der Film wurde von SACOM gedreht, einer NGO aus Hongkong, die sich für die Belange der Foxconn-Arbeiter_innen einsetzt.
Hier geht’s zum Film: „Das waren meine Jahre bei Foxconn“