Archiv der Kategorie 'Hintergrund'

Streiks bei Nokia und Foxconn

Nokia arbeitet sowohl in Dongguan (China) als auch in Chennai (Indien) eng mit dem Auftragshersteller Foxconn zusammen. Im Zuge des Verkaufs der Handy-Sparte von Nokia an Microsoft gab es an beiden Standorten Arbeiterunruhe. In Chennai lag der Durchschnittslohn bei 4.800 Rupien (ca. 60 Euro). Im vorigen Jahr gab es mehrere Streiks, mit denen die ArbeiterInnen eine Erhöhung auf 10.000 Rupien (ca. 120 Euro) durchsetzen wollten. In Dongguan lag der Monatslohn bei 1.310 Yuan (ca. 155 Euro). Im November 2013 streikten die ArbeiterInnen, nachdem 2.000 von ihnen entlassen worden waren. Siehe den Bericht India, China Yet to Approve Parts of Nokia Sale Amid Strikes, Tax Disputes.

Zwei Artikel von 2011 bringen Hintergrundinformationen zu den Fabriken von Nokia, Foxconn und anderen Zulieferern in Sriperumbudur bei Chennai: Im ersten Artikel wir dargestellt, wie eine Nokia-Arbeiterin starb, als sie von einer Maschine zerquetscht wurde, wie 200 Foxconn-ArbeiterInnen durch giftige Gase ohnmächtig wurden und wie ArbeiterInnen von BYD, einem anderen chinesischen Zulieferer Nokias in Chennai, bei der Arbeit an Stanzen die Finger abgeschnitten werden: Ambika’s Death. Der zweite Artikel schildert kurz, wie aus Sriperumbudur seit Anfang der 2000er Jahre gleichzeitig das Shenzhen und das Detroit von Indien wurde, durch massive Investitionen ausländischer Automobil- und Elektronikkonzerne; zudem werden Streiks bei Foxconn und BYD im Jahr 2010 geschildert: The New Cellular Jail.

Foxconn-Türkei: „Sie behandeln uns wie Roboter“

Foxconn hat vier Fabrikkomplexe in Europa, zwei in Tschechien und jeweils einen in der Slowakei, in Russland und in der Türkei. Die türkische Foxconn-Fabrik liegt westlich von Istanbul in der Sonderwirtschaftszone von Çorlu. Dort stellen 350 ArbeiterInnen ausschließlich Desktop-Computer für Hewlett Packard her. Viele von ihnen stammen aus der türkischen Minderheit Bulgariens, und ihre Familien flohen bei den ethnischen Säuberungen Ende der 1980er in die Türkei. Der türkische Staat unterstützt Foxconn bei der Anwerbung und Ausbildung von ArbeiterInnen. Die Arbeit ist einfach und monton. „Sie behandeln uns wie Roboter“, sagt eine Arbeiterin. Die Arbeitszeiten sind flexibel, zwischen 30 und 60 Stunden pro Woche – für einen Monatslohn von 300 bis 350 Euro (in etwa der Mindestlohn in der Türkei). Diese Bedingungen sind ein Grund für die hohe Fluktuation von 20 bis 30 Prozent im Jahr.
Mehr Information im Artikel The fox at Europe’s door: Foxconn in Turkey (Englisch) oder La volpe alle porte dell’Europa. La Foxconn in Turchia (Italienisch).

Foxconn in Osteuropa

Im iSlaves-Buch zu Foxconn findet sich der hier schon erwähnte Beitrag zu Foxconn in Tschechien, der die Arbeitsbedingungen und das Produktionsregime in den Werken in Pardubice und Kutna Hora schildert. Insbesondere die migrantischen ArbeiterInnen aus der Slowakei, Polen, Bulgarien, Rumänien, Vietnam und anderen Ländern schlagen sich mit miesen Löhnen und Bedingungen herum.
Auch in Nitra in der Slowakei hat Foxconn ein Werk. Dort werden Sony-Flatscreens hergestellt, unter ähnlichen Bedingungen wie in Tschechien. Die ProduktionsarbeiterInnen kommen allerdings fast ausschließlich aus der Slowakei. Die Geschichte einer Arbeiterin gibt es bisher nur auf Englisch: „I wasted six years of my life“, ebenso die Chronologie der Foxconn-Fabrik in Nitra.

Buch zu Bedingungen und Kämpfen der „iSlaves“ bei Foxconn

Im März 2013 ist im Mandelbaum-Verlag das Buch „iSlaves – Ausbeutung und Widerstand in Chinas Foxconn-Fabriken“ erschienen. Die HerausgeberInnen Pun Ngai, Lu Huilin, Guo Yuhua und Shen Yuan haben mit vielen MitstreiterInnen nach den Selbstmorden von Foxconn-ArbeiterInnen 2010 eine Untersuchung organisiert. Daraus ist unter anderem ein Buch entstanden, das nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Es enthält analytische Texte und ArbeiterInnengeschichten. Ein Teil des Buches und andere Materialien sind auf der Seite zum iSlaves-Buch auf gongchao.org dokumentiert, darunter weitere Geschichten von Foxconn-ArbeiterInnen, die nicht in der Druckversion erschienen sind, ein Beitrag zu Foxconn und Einhegungen, ein Beitrag zu Foxconn in Tschechien und der Bericht über einen Streik in einer anderen chinesischen Elektronikfabrik in einer Sonderwirtschaftszone in Polen.

Mehr Informationen auf der
Verlags-Website zum iSlaves-Buch
und auf
gongchao.org

Foxconn-Infos

Einige Informationen über Foxconn liefert die deutsche Wikipedia-Seite:
Foxconn auf Wikipedia

In den faulen Apfel beißen

In einem (englischsprachigen) Interview für das Website-Journal Red Pepper erklärt Jenny Chan die Ziele der Untersuchung und Kampagne zu Foxconn. Der Titel des Interviews ist „In den faulen Apfel beißen: Es mit Foxconn aufnehmen“. Jenny Chan spricht über die schlechten Arbeitsbedingungen bei Foxconn. 40 Prozent der Foxconn-Produktion sind für Apple, weswegen Apple auch im Zentrum der Kampagne für bessere Bedingungen steht.
http://www.redpepper.org.uk/biting-the-rotten-apple/